Bild: Jens Schulze

Newsletter August 2026

18. August 2026

Liebe Leser*innen,

in diesen Tagen beginnt nicht nur ein neues Schuljahr – sondern es geht zugleich ein ganz neues Schulfach an den Start: Der christliche Religionsunterricht.

Seit sieben Jahren haben Menschen, die in den evangelischen und katholischen Kirchen
Verantwortung für Bildungsfragen übernehmen, auf diesen Start hingearbeitet. Wir haben miteinander diskutiert und Gespräche mit dem Land geführt; wir haben mit unzähligen
Menschen aus der Praxis geredet; wir haben Hindernisse aus dem Weg geräumt – manche, mit denen wir gerechnet hatten, und andere, die völlig unerwartet kamen. Es gab zahlreiche Meilensteine auf diesem Weg und viele Mühen der Ebene. Und nun ist es so weit: Das Fach Christliche Religion beginnt. Zunächst meist nur in Klasse 1 und 5, bald auch in anderen Jahrgangsstufen und an berufsbildenden Schulen.

Viele von Ihnen werden dieses neue Fach unterrichten. Herzlichen Dank, dass Sie sich mit uns auf den Weg machen, dass Sie uns kritisches und konstruktives Feedback gegeben haben und bitte auch weiterhin geben. Sie werden die neuen Kerncurricula in konkrete Unterrichtssequenzen umsetzen.

Vieles, was im christlichen Religionsunterricht thematisiert werden soll, ist gar nicht neu. Schon lange lernen evangelische und katholische Schüler*innen an vielen Schulen im konfessionell kooperativen Religionsunterricht gemeinsam. Schon längst rücken Lehrkräfte
in ihrem Unterricht die Schüler*innen in den Mittelpunkt der didaktischen Planungen – und nehmen selbstverständlich auf die Vielfalt von deren Glaubensüberzeugungen Rücksicht.

All das setzt das Fach Christliche Religion unter neuem Vorzeichen fort – ökumenisch sensibel und theologisch fundiert. Denn Kinder lernen heute in einer pluralen Welt, einer Welt, in der weiterhin religiöse und konfessionelle Unterschiede eine Rolle spielen. Das neue Fach lebt davon, dass die eigene Konfession profiliert eingebracht wird, während gleichzeitig ökumenische Gemeinschaft sichtbar wird. Der christliche Religionsunterricht befähigt junge
Menschen, in einer multireligiösen Gesellschaft sprachfähig zu sein, Vorurteile abzubauen und für christlich begründete Werte wie Nächstenliebe, Menschenwürde und Bewahrung der Schöpfung einzutreten.

Für uns als evangelische Christ*innen bedeutet das: Wir bringen ein, was den evangelischen Glauben in besonderer Weise prägt – die lutherische Freiheit eines  Christenmenschen, die Betonung des Angenommenseins durch Gott, die Offenheit für moderne Lebensentwürfe und
unsere Diskursfähigkeit, gerade in ethischen Fragen. Gleichzeitig bereichert uns der Blick der katholischen Geschwister und ihre konfessionellen Stärken.

Der christliche Religionsunterricht bietet den Schülerinnen und Schülern einen geschützten Raum, um existenzielle Fragen zu stellen: Wer bin ich? Was trägt mich im Leben und im Sterben? Wie sieht ein gerechtes Miteinander aus?

Kinder und Jugendlichen sind in der Schule. Der Religionsunterricht ist der zentrale Ort, an dem sie mit der biblischen Botschaft in Berührungen kommen und erfahren, was sie für das eigene Leben bedeuten kann. Der christliche Religionsunterricht trägt dazu bei, unseren Bildungsauftrag in Schule zukunftsfähig zu gestalten. In der gegenwärtigen Situation ist es entscheidend, dass Religion gebildete Religion ist, um so Fundamentalismen und
Populismen zu wehren und das gesellschaftliche Zusammenleben zu stärken.

Natürlich bedeutet die Einführung eines solchen Fachs immer auch Arbeit und Veränderung - aber ich bin sicher: Die Mühe lohnt sich. Und gerne unterstützen wir Sie mit Materialien,
Arbeitsplänen, Fortbildungen und Beratung.

Ich bin überzeugt, Schule, die Arbeit mit Schülerinnen und Schülern, ist ein Lebenselixier, Inspiration und nie langweilig.

Ihre
Kerstin Gäfgen-Track

Jens Schulze

Dr. Kerstin Gäfgen-Track