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Newsletter Mai 2026

28. Mai 2026

Glaube als Kompass in der Krise: Religiöse Bildung neu denken

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

was ist es, „was unsere Welt im Innersten zusammenhält“? In einer Zeit, in der Orientierungsmuster verblassen und die Sehnsucht nach Halt wächst, schlagen die Krisen unserer Welt – von wachsender Vereinzelung bis zu tiefen Ängsten vor einem Krieg – ungefiltert im Klassenzimmer auf. Die Erwartungen an die Schule sind gewaltig: Sie soll Inklusion, Demokratiebildung, Antisemitismusbekämpfung und Medienkompetenz – um nur einige der aktuellen Erwartungen zu nennen – gleichermaßen leisten. Junge Menschen brauchen heute und zukünftig für die Entwicklung ihrer Persönlichkeit vielfältige Kompetenzen, Urteils- und Kritikfähigkeit, vor allem aber ist es wichtig, dass sie eine eigenständige Haltung und ein soziales Verantwortungsbewusstsein aufbauen, um die Zukunft mitgestalten zu können.

Mittendrin in dieser Debatte steht der Religionsunterricht, der als christlicher Religionsunterricht ab dem kommenden Schuljahr als neues Fach in Niedersachsen eingeführt wird. Oft wird gefragt, ob eine allgemeine Werte- und Normenkunde nicht zeitgemäßer wäre. Das verneinen wir immer wieder entschieden und halten den Religionsunterricht nicht nur unter den aktuellen schulischen Herausforderungen für unverzichtbar.

Denn die Schülerinnen und Schüler suchen nach Orientierung, Sinn und Hoffnung – Dimensionen, die über das rein Faktische hinausgehen. Genau hier setzt das neue Fach Christliche Religion an. Über der Auseinandersetzung mit Fragen und Themen des Christentums und mit der Perspektive anderer Religionen und Weltanschauungen hinaus ermöglicht dieses Fach auch lebendige Beziehungen – zu sich selbst und zu einer Gemeinschaft; möglicherweise eröffnet es auch Erfahrungen von Transzendenz. Das Fach versteht das Christentum nicht nur als individuelle Glaubensoption, sondern auch als kulturelle Tiefenstruktur und unverzichtbare Ressource unserer säkularen Gesellschaft. Wer die Charta der Menschenrechte, unsere Architektur oder Literatur verstehen will, muss die religiösen Codes unserer Geschichte lesen können. Dabei verschließt das Fach nicht die Augen vor den Schattenseiten der Kirchengeschichte. Im Gegenteil: Ein kritisch-konstruktiver Umgang mit der eigenen Tradition ist das Fundament für ein gelingendes Miteinander in einer multireligiösen Welt. Das Fach Christliche Religion öffnet sich dialogisch für orthodoxe, freikirchliche und konfessionslose Perspektiven. Es fördert eine neue Ökumene, die Gemeinsamkeiten betont und Unterschiede fruchtbar macht.

Dass wir heute ein leidenschaftliches Plädoyer für diesen konfessionellen Weg halten, ist unserer christlichen Überzeugung geschuldet. Religionslehrerinnen und Religionslehrer leisten hier Herausragendes, indem sie im Diskurs Rede und Antwort stehen.

Wenn wir als Gesellschaft ethische Grundüberzeugungen neu ausbuchstabieren wollen, bleibt der schulische Religionsunterricht dafür der beste Ort. Er hält die Frage nach dem Göttlichen wach – und hält jungen Menschen damit einen Resonanzraum für das offen, was ihr Leben bereichern kann.

Wir wissen darum, dass die neue Konzeption des Faches Lehrerinnen und Lehrer vor manche Herausforderung stellt und sind uns zugleich sehr sicher, dass die Lehrkräfte diese meistern werden.

Wir wünschen Ihnen allen Freude daran, mit jungen Menschen in einen engagierten Austausch zu gehen und ihnen die christlichen Ressourcen in interreligiösen und gesellschaftlichen Perspektiven zu vermitteln.

Für die letzten Wochen dieses Schuljahres wünschen wir Ihnen alles Gute

 

Ihre Dr. Kerstin Gäfgen-Track, Leiterin der Bildungsabteilung im Ev.-luth. Landeskirchenamt Hannover, und Katrin Gladen, Leiterin der Abteilung Schule und Hochschule im Bistum Hildesheim

 

Jens Schulze

Dr. Kerstin Gäfgen-Track

Bistum Hildesheim

Kerstin Gladen