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Newsletter Februar 2026

09. Februar 2026

Liebe Kolleg*innen im Bildungsbereich,

zum 1. August 2026 wird das Fach Christliche Religion (RC) an den Schulen eingeführt. Deshalb wird seit Februar 2024 wird intensiv am KC für die Primarstufe und am KC für die Sekundarstufe I (als Stufen-KC) gearbeitet; seit vergangenem Sommer außerdem an den Rahmenrichtlinien für die Berufsbildenden Schulen. Alle Beteiligten sind sich einig, dass die Schüler*innenorientierung dabei der Ausgangspunkt sein soll. Das macht die Arbeit herausfordernd und spannend – zunächst an den KC selbst und erst recht den späteren Unterricht mit diesem Ausgangspunkt. Es geht um die unterschiedlichen Erfahrungen, Überzeugungen und nicht zuletzt um die Fragen der Schüler*innen. Dabei sind etliche der Fragen, die in dem Lied aus der Sesamstraße gestellt werden, durchaus schwierig zu beantworten: „Der, die, das, wer, wie, was, wieso, weshalb, warum, wer nicht fragt, bleibt dumm.“ Das musikalisch so eingängige Lied sagt: Fragen machen klug. Gerade wenn Kinder fragen, spricht daraus Neugierde und Nachdenklichkeit. Wer nicht fragt, bleibt dumm, das stimmt. Aber es geht beim Fragen um mehr als die Wissensvermittlung wie in der Sesamstraße oder bei Checker Tobi. Fragen zielen darauf ab, Leben zu verstehen: Warum gibt es überhaupt Leben? Wieso bin ich kostbar? Warum fühle ich mich nicht klug oder schön genug? Weshalb macht es Sinn, sich für andere einzusetzen? Und doch eben auch die Fragen: Wieso gibt es Krieg und Gewalt? Weshalb zerstören Menschen ihre Umwelt so sehr? Warum müssen alle Menschen sterben? Diese Fragen sind die große Herausforderung in der Familie, im Freundeskreis und in der Schule. Der Religionsunterricht insbesondere will sich mit seinem Ausgangspunkt bei der Schüler*innenorientierung diesen Fragen stellen, die oft erwachsen aus dem, was Schüler*innen erlebt, gehört oder gesehen haben.

Nicht nur Religionslehrer*innen wissen: Auf solche Fragen gibt es nicht „die“ richtige Antwort und eben auch keine einfachen Antworten. Bei manchen Fragen bleiben Lehrkräften, Erzieher*innen, Eltern und Familien die Antworten im Halse stecken, bei anderen bleiben sie die Antwort vielleicht ganz schuldig.  Über die Vermittlung religiösen Wissens „wer, wie, was“ aus der Perspektive des Christentums hinaus will der Religionsunterricht auch Orientierung, Sinn und Haltung und damit eine Deutung von Lebenswirklichkeiten „wieso, weshalb, warum“ eröffnen. „Zugleich ist die Person der Religionslehrkraft noch einmal in ganz eigener Weise von ihnen (sc. Überzeugungen, Werthaltungen und Motivation) berührt, da Religion selbst nicht im Wissen aufgeht und ‚beliefs‘ im Sinne bewusster oder unbewusster (religiöser) Überzeugungen den Religionsunterricht steuern und in ihm in spezifischer Weise zum Thema gemacht werden.“[1] Dabei sind Religionslehrer*innen Teil einer christlichen Gemeinschaft – mit der sie manchmal durchaus überkreuz stehen – , können aus den Traditionen der biblischen Geschichten,  und der Geschichte des Christentums schöpfen, in denen diese Fragen auf sehr unterschiedliche Weise gestellt und beantwortet werden. Darüber hinaus können sie ihre eigenen Erfahrungen mit den biblischen und christlichen Überlieferungen und Einsichten weitergeben. Die Authentizität der Antworten der Lehrer*innen ist die große Stärke des Religionsunterrichts als eigene, selbstverantwortete Reaktion auf die Schüler*innenfragen. Und noch eine Stärke hat der Religionsunterricht: Er nimmt auch die Antworten anderer Religionen und Weltanschauungen auf und schafft Raum für den Dialog über die Fragen und die möglichen Antworten.

In der Bibel heißt es (5. Mose 6,20): Wenn dein Sohn – und das gilt für alle Kinder - dich morgen fragt, wozu all die Weisungen, Gebote und Rechtsbestimmungen gut sind, die ihr vom Herrn, eurem Gott, bekommen habt, dann gib ihm folgende Antwort… Und dann wird die Geschichte Gottes mit seinem Volk erzählt: die Befreiung aus der ägyptischen Sklaverei erinnert, die Bewahrung in Wüstenzeiten, eine Heimat im gelobten Land. Wenn ein Kind, eine Schülerin oder ein Schüler, Sie morgen fragt, wie sie oder er sein Leben leben soll, dann können Sie davon erzählen, wer ihr oder sein Leben gewollt und bejaht hat. Wenn Sie morgen gefragt werden, dann können Sie von Gott und von der Geschichte erzählen, die Gott mit den Menschen und der Welt erlebt. Wenn dies zum Maßstab wird, dann kann es ein gemeinsames Fundament für Lebensentscheidungen geben. Und die Antworten können sich dann ja durchaus unterscheiden. Denn: Wenn eine Schülerin oder ein Schüler fragt, dann will sie oder er nicht fertige Antworten, sondern gemeinsame Suchbewegungen – nach dem, was das Leben trägt, nach dem, worauf in Zukunft vertraut werden kann.

Dafür viel Kraft und Gottes Segen wünscht Ihnen

Kerstin Gäfgen-Track

im Namen aller Mitarbeitenden der Abteilung für Bildung, Schule, Kinder und Jugend und der Geschäftsstelle der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen


[1] Kirchenamt der EKD (Hg.), Die theologisch-religionspädagogische Professionalität evangelischer  Religionslehrer*innen (EKD-Texte 96), Hannover 2025, S. 51 unter https://www.ekd.de/professionalitaet-evangelischer-religionslehrer-innen-91683.htm (abgerufen am 9.2.2026)

 

Jens Schulze

Dr. Kerstin Gäfgen-Track