Inklusion

Bild: Jens Schulze

Kirchliche Bildungsexpertin spricht sich für Andachtsräume in Schulen aus

Nachricht 10. Februar 2016

Hannover (epd). Die kirchliche Bildungsdezernentin Kerstin Gäfgen-Track weist Kritik der niedersächsischen kommunalen Frauenbeauftragten an möglichen Gebetsräumen in Schulen zurück. Sie sind in dem geplanten Rahmenvertrag zwischen dem Land und den muslimischen Verbänden angedacht.

Gäfgen-Track sprach sich deutlich für diese Andachtsräume aus. "Sie bieten ebenso wie der Religionsunterricht an den Schulen eine Chance für den wichtigen interreligiösen und interkulturellen Dialog", sagte die Oberlandeskirchenrätin am Mittwoch im Gespräch mit dem Evangelischen Pressedienst (epd). Die Frauenbeauftragten bezweifeln dagegen, dass Gebetsmöglichkeiten für Muslime an den Schulen der Integration dienen.

Gäfgen-Track betonte allerdings: "Ein Gebetsraum muss grundsätzlich und zu jeder Zeit für alle Schüler offen sein." Auch müssten Andachts- und Gebetszeiten außerhalb des Unterrichts stattfinden.

"Die Andachtsräume dürfen zudem nicht durch eine Religion geprägt oder gar in nach Geschlechtern getrennte Bereiche aufgeteilt sein." All dies müsse in dem Vertrag des Landes mit den muslimischen Verbänden eindeutig verankert werden, betonte die Bevollmächtigte der Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen. "Sonst gibt es Anlass zu Diskussionen, wie sie ja bereits geführt werden."

Der Religionsunterricht an den öffentlichen Schulen könne gerade zur Integration auch von Muslimen beitragen, sagte Gäfgen-Track. Auch wenn es um die Gleichberechtigung von Frauen und Männern gehe, müsse die Rolle der jeweiligen Religion in dieser Frage diskutiert werden. Öffentliche Schulen seien ein guter Ort, solch einen Dialog schon früh einzuüben. "So etwas muss transparent sein und darf nicht hinter verschlossenen Türen stattfinden."

Die Schulen richten nach der Beobachtung der kirchlichen Bildungsexpertin zunehmend Andachtsräume oder "Räume der Stille" ein. "Und es läuft nach allem, was wir wissen, konfliktfrei." Das Angebot helfe Schülern auch, wenn es einen Trauerfall gebe und sie in den Räumen etwa gestorbener Mitschüler gedenken können.

Seit gut zwei Jahren verhandelt die rot-grüne Landesregierung mit den muslimischen Verbänden. Dabei geht es um Themen wie den islamischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen, die Seelsorge an Gefangenen, den Bau und Betrieb von Moscheen, Feiertagsregelungen und die Teilhabe an Gremien wie Rundfunkräten.

Der Vorstand der Landesarbeitsgemeinschaft der Frauenbüros hatte am Dienstag in einem Brief an Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) "kritische Fragen" zu dem geplanten Rahmenvertrag formuliert. In dem Schreiben heißt es unter anderem, die im Vertragsentwurf vorgesehenen Gebetsmöglichkeiten an öffentlichen Schulen für Muslime "fördern aus unserer Sicht nicht die Integration". Die Frauenbüros sorgten sich um diejenigen muslimischen Schüler, die nicht beten wollten, aber sich möglicherweise dazu genötigt fühlen könnten.

epd 11.02.2016

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