Das seelsorgerlich-beratende Kurzgespräch

Es ist nicht die Dauer, die für das Format „Kurzgespräch“ entscheidend ist, sondern die Haltung und damit verbunden die Art der Gesprächsführung. Das Grundprinzip ist: Die ratsuchende Person ist Experte ihrer Situation, ihrer Probleme und der möglichen Lösungen. Aufgabe der beratenden Person ist es, den Gesprächspartner zu der von ihm selbst angestrebten Lösung zu führen.

Wenn auch die Führung eines Kurzgespräches komplex ist und viel Übung braucht, können einige Merkmale hier herausgegriffen werden, um das Besondere eines Kurzgesprächs zu erläutern.

1. Man achtet genau auf die Sprache des Anderen und nutzt seine Sprachebene. 

2. Man gleicht ungleiche Beziehungsmuster aus. Ziel ist ein Gespräch „auf Augenhöhe“.

3. Die Fragekunst verzichtet weitgehend auf geschlossene Fragen, Informationsfragen und Fragen nach Ursache und Wirkung und nutzt stattdessen Selbsterkundungsfragen.

4. Man erkundet im Gespräch die Ressourcen des Anderen ), die bei der Problemlösung helfen und formuliert sie.

5. Bei der Suche nach Lösungen denkt man kleinschrittig, konkret und formuliert positiv und indikativisch.

6. Man bündelt das Gespräch, indem man ein positives Feedback gibt, das Anliegen wiederholt, wichtige lösungsorientierte Gedanken zusammenfasst und erste Schritte formuliert.

 

Literatur

Timm H. Lohse, Das Kurzgespräch in Seelsorge und Beratung: eine methodische Anleitung, Göttingen 2003

Timm H. Lohse, Das Trainingsbuch zum Kurzgespräch: ein Werkbuch für die seelsorgliche Praxis, Göttingen 2006

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