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Foto: Jens Schulze

"Kein Kind darf verloren gehen"

Nachricht 07. Februar 2016

Andacht vom 30. Januar 2016 von Pastorin Dr. Barbara Hanusa

„Geht es Ihnen gut, oder haben sie auch ein Kind in der Schule?“, so begrüßt mich ein Kollege. Wir beide mussten lachen. Der Witz hakte sich in mir fest. Was hat die Schule an sich, dass sie eine so große Rolle einnehmen kann in unseren Familien? Hört man Gesprächen zu, dann steht die Schule auf der Beliebtheitsskala - bei Alt und Jung – nicht unter den Top Ten. Sie nervt, stört, wird ertragen, zuweilen sogar gehasst. Oft geht die strahlende Anfangsbegeisterung von Erstklässlern auf der Strecke verloren. Die Schule sorgt für unzählige Auseinandersetzungen und manche Tränen: unerledigte Hausaufgaben, unbefriedigende Noten, gescheiterte Versuche elterlicher Unterstützung, nichtverstandener Stoff. Man kann über sie denken, wie man will, eines muss man ihr lassen: sie hat Kraft diese Institution.

Muße, so lautet die eigentliche Bedeutung des griechischen Wortes Schule. Auch eine Kraft, aber eine andere. Eine Schule der Muße ist geprägt von einer Kultur der Nachdenklichkeit. Ihre Eigenschaften: achtsam, gründlich und solidarisch. Das ist keine Gefühligkeit, sondern in einer solchen Kultur steckt viel an Konzentration und Kraft der Menschen, die in der Schule arbeiten und in ihr miteinander lernen. Eine Mußeschule verhält sich nicht marktkonform. Sie ist kein rationalisierter Arbeitsbetrieb, der Alles und Alle synchronisiert, in dem Abweichungen Störungen sind. In ihr bekommt jedes Kind die Zeit, die es zum Lernen braucht. „Kein Kind darf verloren gehen!“, so lautet der Leitsatz einer Evangelischen Gesamtschule in Gelsenkirchen in einem Brennpunktstadtteil.

Da war mal Einer, der hat seine Weggenossen zurecht gewiesen: „Lasset die Kinder zu mir kommen!“ Ich stelle mir vor, dass er auch zu uns spricht: „Habt Acht auf Eure Schulen. Lasst sie keine Lernfabriken sondern Treibhäuser der Zukunft sein. In ihnen soll Zeit sein zum Denken, Klären und Verstehen. Arbeitet als Lehrkräfte und als Eltern vertrauensvoll miteinander und nicht gegeneinander. Seid respektvoll im Ringen um das Gute. Habt Acht auf die Persönlichkeiten der jungen Menschen. Hier liegt ein einmaliger Schatz, den ihr entdecken helft. Zeigt ihnen, dass ein Mensch eine Idee oder ein Fach lieben kann. Erschließt ihnen das, was Euch zum Leben wichtig ist. Denn den Kindern gehört das Reich Gottes. In ihnen ist angelegt, was werden will und soll.“

Dr. Barbara Hanusa
Beauftragte für Kirche und Schule im Sprengel Lüneburg / Schulpastorin in Scharnebeck
Erreichbar unter: 04131 2196978