6. November 2017

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Vorlesung auf Universitätsniveau für Berufsschüler

Erlaubt die Bibel Sex vor der Ehe? – Kommt drauf an

Prof. Dr. Marco Hofheinz spricht an den Berufsbildenden Schulen Alfeld aus theologisch-ethischer Sicht über Geschlechtsverkehr vor der Heirat

Alfeld. Ist Sex vor der Ehe mit der Bibel vereinbar? Oder sollten sich gläubige Christen und Christinnen bis nach der Heirat „aufsparen“? Über diese Frage aus theologisch-ethischer Sicht referierte Prof. Dr. Marco Hofheinz an den Berufsbildenden Schulen Alfeld. Der Professor für Systematische Theologie -Schwerpunkt Ethik - am Institut für Theologie der Leibniz Universität Hannover, besuchte die Berufsbildenden Schulen Alfeld auf Einladung des Religionsteams der Schule in der Reihe „BBS-Lectures“.

Die Schuljahrgänge zwölf und dreizehn erhielten so Gelegenheit, schon vor dem Abitur eine Vorlesung auf Universitätsniveau kennenzulernen und Hörsaal-Atmosphäre zu schnuppern. Zudem solle die Auseinandersetzung der jungen Erwachsenen mit ethischen Fragestellungen gefördert werden, erläutert Schulpastor Dr. Matthias Günther.

Sex vor der Ehe sei gesellschaftlich längst akzeptiert, auch von der evangelischen Kirche, erläuterte Hofheinz, der auch ordinierter evangelischer Pfarrer ist. Es gebe aber dennoch Stimmen, die mit Berufung auf die Bibel den Geschlechtsverkehr vor der Heirat für gläubige Christen und Christinnen ablehnten. Allerdings sei es problematisch, die Bibel wörtlich zu nehmen, meinte der Professor. Das Steinigen oder die Vielehe wollten diese Befürworter der Enthaltsamkeit ja schließlich auch nicht wieder einführen.

Die Ehe in der Gesellschaft des Alten und Neuen Testaments sei mit der standesamtlich geschlossenen Ehe heute nicht vergleichbar, kulturelle Entwicklungen und historische Verläufe müssten beim Lesen der Bibel berücksichtigt werden, führte der Professor weiter aus. Es sei daher sinnvoller, in einer Gesamtschau nach Bedeutungslinien in der Bibel zu suchen. Er erkenne dabei für Sexualität und Ehe die Linie der Liebe und die des Bundes.

Liebe bedeute hier im biblischen Sinn, Begehren und Lust in Einklang zu bringen mit der Liebe wie sie in der Nächstenliebe oder der Liebe Gottes erkennbar sei. Symbolisiert seien diese beiden Aspekte in Eros und Agape: „Allein die Lust kann keine Beziehung auf Dauer erhalten.“

In der zweiten Linie sei die Ehe als Abbild des Bundes zwischen Gott und Volk aufzufassen. Und das sei nicht vom Trauschein abhängig. Auch Martin Luther habe die weltliche Ehe als vom Recht geschützte Form unterschieden vom ehelichen Leben im christlichen Sinne: Dieses bedeute, den Partner oder die Partnerin sowie die Kinder als Menschen anzusehen, die einem von Gott anvertraut sind.

„Die Antwort auf die Frage, soll man Sex vor der Ehe haben, lautet also: Es kommt drauf an“, schloss Prof. Dr. Hofheinz. „Warten kann richtig sein, muss es aber nicht.“ Entscheidend sei die Art der Beziehung und die gegenseitige Verantwortung. Und das, ergänzte er auf Nachfrage einer Schülerin, gelte dann selbstverständlich auch für homosexuelle Paare.

Beim Thema Jugend und Sexualität warnte Hofheinz vor Vorurteilen und Klischees. Es sei nämlich nicht zutreffend, dass junge Menschen immer früher Geschlechtsverkehr hätten. Laut Umfragen habe die Zahl der 14- bis 17-Jährigen mit sexueller Erfahrung in den letzten 15 Jahren nicht zugenommen. Der überwältigende Großteil der jungen Erwachsenen lege zudem Wert auf eine feste Beziehung und sexuelle Treue.

 

 

Prof. Dr. Marco Hofheinz

Bild von Marco Hofheinz

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