10. Juni 2016

Nachricht

EU ist das Beste, was Europa passiert ist

Journalist Prantl auf dem Hochschulforum in Hannover

Hannover/München (epd). Die Europäische Union ist nach Ansicht des Münchener Journalisten Heribert Prantl das Beste, was Europa in seiner langen Geschichte passiert ist. Zwar seien alle Klagen über die Bürokratie von Brüssel, die Flüchtlingspolitik sowie den Euro und die Rettungsschirme berechtigt, sagte Prantl am Donnerstag in Hannover. Dennoch habe die EU "das Ende eines fast tausendjährigen Krieges besiegelt, den fast alle gegen fast alle in Europa geführt haben". Der Leiter des Innenressorts der Süddeutschen Zeitung sprach beim zweiten Hochschulforum der hannoverschen Landeskirche zum Thema "Fremde, Heimat, Zukunft" vor rund 250 Studenten aus ganz Niedersachsen.

Solange die Menschen die EU vor allem als Nutzgemeinschaft für die Wirtschaft und für die Finanzindustrie, aber nicht als Schutzgemeinschaft der Bürger erlebten, bleibe aber jedes Lob über die Errungenschaften "bloßes Wortgeklingel". Zum inneren Frieden gehörten Regeln für ein sozialverträgliches Wirtschaften. Bisher sei Europa noch "keine runde Sache", betonte der Jurist seinem Manuskript zufolge: "Von Norden nach Süden reist man zur Erholung, zum Ausspannen, zum Genießen. Von Süden nach Norden migriert man zum Arbeiten, um existieren zu können."

Die Migration in Europa dürfe aber keine Not-Migration sein. Sie müsse vielmehr zu einer Lust-Migration werden, bei der es darum gehe, sich zu qualifizieren und seine Lebenschancen zu mehren. Als positive Beispiele dafür nannte der Professor europäische Austauschprogramme für Schüler und Studenten.

Das Europa des 21. Jahrhunderts werde einmal daran gemessen werden, wie es mit den Flüchtlingen umgegangen sei, sagte Prantl. "Man wird es daran messen, welche Anstrengungen unternommen wurden, um entheimateten Menschen ihre Heimat wiederzugeben." Ein Einmauern des Kontinents könne dabei keine Lösung sein. Integration verlange sowohl von den Alt- als auch von den Neubürgern viel. Toleranz allein reiche nicht aus, sondern es werde vor allem Respekt voreinander benötigt: "Ich habe den Eindruck, dass das Bewusstsein dafür wächst, dass Einwanderung auch kulturellen Reichtum bringt", sagte der Journalist. (9044/09.06.16)

epd lnb mil mir