kopfgrafik ich mach mir die welt

©fotolia/vede

Marktwirtschaft und Moral

13.45 - 15.15 Uhr

Workshop zum Thema "Gerechtigkeit"

Leihmutterschaften, Organhandel, das Jagen seltener Tierarten und andere Formen der Kommodifizierung und Kommerzialisierung des alltäglichen Lebens – das sind aus Sicht des Philosophen Michael Sandel Alarmsignale dafür, dass wir uns auf eine Marktgesellschaft zubewegen, in der man mit Geld alles kaufen kann und die Moral erodiert. In seinem 2013 erschienenen Buch „What money can’t buy“ plädiert der Harvard-Professor für eine Beschränkung der Märkte zugunsten der Moral. Für sein Werk und seine Thesen erhielt Sandel in den Medien und in der Öffentlichkeit großen Beifall. Doch verhalten sich Marktwirtschaft und Moral wirklich wie Katz und Maus? Sind Märkte ein Ort des Lasters und der Unmoral?

Ökonomen sehen das anders. In dem 2011 publizierten Aufsatz „Markets and Morality“ zeigen sich Jeff R. Clark und Dwight R. Lee besorgt über die gesellschaftliche Akzeptanz der Marktwirtschaft. Clark und Lee vertreten in ihrem Aufsatz die These, dass die moralische Qualität des Marktes von großen Teilen der Gesellschaft unterschätzt wird. Hierfür geben sie systematische Gründe an. Und dann argumentieren sie, dass der Markt ein Instrument ist, mit dem sich moralische Anliegen verwirklichen lassen. Insofern plädieren sie dagegen, dem Markt allzu enge Fesseln anzulegen. Aus ihrer Sicht wäre dies ein Bärendienst an der Moral.

Darüber hinaus gibt es mittlerweile auch von Seiten anderer Ökonomen harte Kritik an den Arbeiten Sandels. So zeigen Bruni und Sugden in ihrem Aufsatz „Reclaiming Virtue Ethics for Economics“, dass es aus tugendethischer Perspektive sehr wohl tugendhaftes Verhalten auf Märkten gibt. Ferner argumentiert das interdisziplinäre Autorenduo Jason Brennan und Peter M. Jaworski in dem 2015er Buch „Markets without Limits“, dass die üblicherweise angeführten moralischen Motive für Beschränkungen innovativer Märkte aus ethischer Sicht als kurzschlüssig abzulehnen sind. Die beiden Autoren greifen die Thesen Sandels direkt an. Sie halten seine Vorschläge, den Markt einzugrenzen, sogar für unmoralisch.

Dieser Workshop eröffnet die Möglichkeit, eine fundierte Diskussion darüber zu führen, ob es Moral auf Märkten überhaupt geben kann bzw. ob Märkte ohne Moral überhaupt funktionieren würden. Als Grundlage dient vor allem die von Prof. Dr. Ingo Pies (Inhaber des Lehrstuhls für Wirtschaftsethik) herausgegebene Trilogie in der Schriftenreihe „Marktwirtschaft und Moral“, welche didaktisch so konzipiert ist, dass sie sich auch an Schüler richtet. Der Workshop und das dort verteilte Material ist speziell darauf ausgerichtet, praktisch umsetzbare Hinweise für den Schulunterricht zu geben.

Hintergrundliteratur: 

Brennan, Jason und Peter M. Jaworski (2016): Markets Without Limits – Moral Virtues and Commercial Interests, New York: Routledge.   

Pies, Ingo (Hg.) (2015): Der Markt und seine moralischen Grundlagen. Diskussionsmaterial zu einem Aufsatz von Jeff R. Clark und Dwight R. Lee, Freiburg und München: Verlag Karl Alber.

Pies, Ingo (Hg.) (2016): Die moralischen Grenzen des Marktes. Diskussionsmaterial zu einem Aufsatz von Michael J. Sandel, Freiburg und München: Verlag Karl Alber. 

Pies, Ingo (Hg.) (2017): Die Tugenden des Marktes. Diskussionsmaterial zu einem Aufsatz von Luigino Bruni und Robert Sugden, Freiburg und München: Verlag Karl Alber. 

 

everding

Sebastian Everding

Sebastian Everding hat an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sein Masterstudium im Fach Volkswirtschaftslehre absolviert. Sein Abschluss erfolgte im Sommer 2016 im Rahmen seiner Masterarbeit zum Thema „Foodsharing als New-Governance-Initiative der Konsumentenethik“. Seit Oktober 2016 arbeitet Sebastian Everding als Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Lehrstuhl für Wirtschaftsethik an der Martin-Luther-Universität in Halle (Saale). Im Rahmen dieser Anstellung soll eine Promotion, welche das Phänomen Sharing Economy weiter beleuchtet, erfolgen. Neben der Sharing Economy ist ein weiterer Forschungsschwerpunkt von Herrn Everding die Analyse von Agrarmythen (Gentechnik, Glyphosat, usw.).

Zur Homepage